Die KEAföhrenen - Pecherei im Lebensbogen

Pecherei erleben – UNESCO-Kulturerbe hautnah bei Veranstaltungen im Lebensbogen

Knorrige Schwarzföhren, würziger Harzduft und ein jahrtausendealtes Handwerk: Die Pecherei, also die traditionelle Harzgewinnung, ist eines der ältesten Forsthandwerke Europas und als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt. Dieses besondere Wissen wird von den KEAföhrenen bewahrt und weitergegeben.

Du kannst dieses besondere Kulturerbe nun auch bei drei Veranstaltungen im Lebensbogen nicht nur bestaunen, sondern mit allen Sinnen erleben: anschauen, berühren, riechen, ausprobieren und verstehen. Die Pecherei begleitet 2026 drei besondere Termine im Lebensbogen – das Edelweißturnier am 25. April, das Sommerfest am 7. und 8. August sowie das Reiterbogenturnier am 12. September.

Bei allen Veranstaltungen erwartet dich ein einmaliges Erlebnis zwischen Natur, Handwerk und Geschichte. Tauche ein in ein Stück lebendiger Kultur – spüre die Rinde, rieche das Harz und lass dich von der Tradition verzaubern. 

Erleben – Mitmachen – Genießen.

Veröffentlicht

03.02.2026, 10:13

Im Gespräch mit Gerhard Kogler, Obmann der KEAföhrenen:

Was genau ist Pecherei  und wie funktioniert dieses traditionelle Handwerk?

Beim traditionellen Handwerk der Pecherei werden die Föhren angeregt, Baumharz zu produzieren, das in flüssiger Form gesammelt und dann später zu unterschiedlichsten Produkten weiterverarbeitet wird.

Seit wann gibt es die Pecherei und warum gehört sie zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe?

Die Pecherei ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Bereits vor 50.000 Jahren wurde Pech (das ist der österreichische Ausdruck für Baumharz) nachweislich als Klebstoff verwendet. In Österreich begann die Hochblüte mit der industriellen Verarbeitung im Harzwerk Piesting ab 1914. Die österreichische Methode der Pecherei hoch entwickelt. Die Harzgewinnung und – verarbeitung war ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Bis heute wird im südlichen Niederösterreich Harz mit der klassischen österreichischen Methode gewonnen, der sehr viel Wissen und Erfahrung zugrunde liegt.

 Warum sind unsere Schwarzföhren so besonders für die Harzgewinnung geeignet?

Die Föhrenwälder im südlichen Niederösterreich sind das größte zusammenhängende Schwarzföhren-Vorkommen in Zentraleuropa.
Dieer Schwarzföhre (lat.: Pinus nigra) hat nicht nur den größten Harzanteil aller Nadelbäume, sondern auch die meisten wertvollen Inhaltsstoffe im Baumharz. Und mit unseren schonenden Methoden kann diese Baumart jahrzehntelang gepecht werden, ohne Schaden zu nehmen.

 Kann ich selbst auch pechen (Harz gewinnen)?
Grundsätzlich – mit Zustimmung des Waldbesitzers – ja. Die klassische Methode verlangt besondere Werkzeuge, muss sorgfältig und rerlativ regelmäßig ausgeübt werden. Im steilen Gelände kann die Arbeit mühsam sein, auch wenn sie leicht erlernbar ist.
Die noch schonendere Bohrmethode hingegen ist einfacher, sauberer und schneller durchzuführen. Das so geerntete Harz ist auch viel reiner und hochwertiger als bei der klassischen Methode. Moderne Werkzeuge und Arbeitsmittel wie Akkubohrer ermöglichen erstmals, diese ebenfalls historisch entwickelte Technik effizient anzuwenden.

Wer steckt hinter den KEAföhrenen und warum engagiert ihr euch für die Pecherei?
Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre wurde das natürliche Baumharz durch billigeres Kunstharz und viele Erdölprodukte ersetzt. Zusätzlich führten Billigimporte zum Niedergang der Harzindustrie in Österreich.
Schwarzföhrenharz ist regional vorhanden und die Pecherei erlebt gerade durch den Trend zu natürlichen Rohstoffen eine kleine Renaissance. Wir versuchen, das vielfältige Wissen und die Gebräuche um die Pecherei vor dem Vergessen zu bewahren.

Was ist das Faszinierendste für dich an diesem Handwerk?
Die Kraft des Waldes. Das Leben in und mit der Natur. Schon der Duft unserer Schwarzföhrenwälder – hervorgerufen durch die von den Föhren verströmten Terpene – ist heilsam. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Die vielfältige Verwendbarkeit des Rohstoffs Harz, die ausgefeilte Technik der Harzgewinnung … Es ist das Glück mit dem Pech – direkt vor unserer Haustür!

Welche Herausforderungen gibt es, diese Tradition heute lebendig zu halten?
Die ökologischen Vorteile unserer Wälder gewinnen in diesen Zeiten des Klimawandels, aber auch politische und wirtschaftlich tiefgreifenden Veränderungen, zunehmend an Bedeutung.
Regionalität bringt kürzere Produktions- und Lieferketten, schafft Mehrwert vor Ort und damit Unabhängigkeit. So entstehen regionale Arbeitsplätze, dadurch wird zum Beispiel Pendelverkehr eingespart - das bringt wieder bessere ökologischen Bedingungen, aber auch mehr Zeit für uns selbst und miteinander, wovon wir alle profitieren.